Eigenbrötler

Ein getanztes Pladoyer für die Artenvielfalt

 

Ich gebs ja zu. Ich bin ein passionierter Nichttänzer. Mein Tanzbein will einfach nicht schwingen. Schon seit meiner Geburt ist das so. Nicht mal der Spaghetti-Tanz wollte mir damals in der Dorfdisko gelingen. Ich hege sogar den leisen Verdacht, dass mich die Angst vor dem nächsten Tanz zum Musiker gemacht hat. Da konnte ich mich hinter der Gitarre verstecken und die verschwitzten Tänzer genüsslich begleiten…

Während Tänzer körperlich schweben, schwebe ich in der musikalischen Freiheit. Denn im Tanztheater gibt es kein musikalisches Regelwerk. Niemand ruft: “Hey, das ist aber nicht erlaubt!” Bei der Erarbeitung eines neuen Stücks bewege ich mich mit der Choreografin in einem grossen Freiraum, den es im Laufe der Zeit abzustecken und zu definieren gilt. Die Grenzen und Regeln des Spiels bestimmen aber nur die Beteiligten.

Da muss und darf man die Sitzhöcker senken lassen, den Geist lockern und den gewonnenen Freiraum geniessen. Der Architektur der Bewegungen folgend, entsteht so eine Musik, die sich tonal und klanglich hinter dem Ofen hervorwagt. Popularität wird zweitrangig. Und so entwickeln sich da Töne, die man sonst nur selten zu hören bekommt. Und das macht mir grosse Freude.

So war und ist die Zusammenarbeit mit Brigitta Schrepfer, die mir jetzt wiederholt ihr Vertrauen geschenkt hat, immer ein wahres Vergnügen. Und ich bin ihr echt dankbar, dass sie mir dabei die Gelegenheit gibt, neue musikalische Farben und Formen zu entdecken. Und dass ich bei ihr nie tanzen muss, finde ich natürlich auch gut.

Mit Brigitte Schrepfer und Christiane Loch Dramaturgische Begleitung:Urs Wehrli Musik Markus Schönholzer Licht Stefan Marti

Presse

Tagesanzeiger, Maja Künzler 
…Brigitta Schrepfer, Choreografin und Gründerin des Tanztheaters Somafon, und ihre Mittänzerin Christiane Loch scheuen sich nicht, ihre Schrulligkeiten lustvoll und witzig auszuleben; “Eigenbrötler” nennen sie denn auch ihr neues Stück. Auch wenn sie anfangs noch mit durchgestrecktem Rücken zu Marschmusik (Markus Schönholzer) gesellschaftsfähige Muster durchexerzieren, lässt sich der rebellische Geist bereits erahnen. Lochs Schuhabsätze sind so spitz, dass man um den Tanzboden fürchtet, und Schrepfers Bergschuhe könnten ebenso gut kräftige Tritte versetzen. Dem Anforderungskatalog permanenter Dynamik und Flexibilität setzen sie Verlangsamung und Verweigerung entgegen. Da kann der Gast lange auf sein Wasser warten, die Kellnerin zählt lieber die Punkte auf dem Tischtuch…

…Da wird gewartet, gelesen, (beinahe) gegessen – und wenn die Sprache versagt, bricht sich der Tanz Bahn, dann kriechen unterdrückte animalische Seiten oder Ängste hoch… Schrepfer und Loch sind körperstarke Komödiantinnen; sie haben ein kleines, unverschämt gut unterhaltendes “pièce de résistance” gegen Gleichmacherei geschaffen.